Umsatzsteuerliches "Risikomanagement" des Online-Händlers & Informationspflichten zu Online-Kaufverträgen

1. Der Online-Händler als Unternehmer

Online-Händler verkaufen ihre Handelsware über web-basierte Bestellvorgänge. Sie treten in verschiedenen Erscheinungsformen auf (z.B. professionelle Web-Shops oder „schlichter" Ebay-Verkäufer etc.). Bei den letztgenannten ist durch die neuere Rechtsprechung das Risiko gestiegen, von den Finanzämtern als einkommensteuer- und umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer eingestuft zu werden. Das "Zauberwort" für den Fiskus lautet dabei "bewährte Vertriebsmaßnahmen". Die verkaufsvorbereitenden Schritte bei den bekannten Portalen (Amazon, Ebay usw.) erfordern ja gerade auch solche vertriebsorientierten Maßnahmen (Artikelbeschreibung, Preisfindung, Fotoeinstellung, Verkaufsbedingungen usw.). Im Zweifel müssen wir das für Sie anhand eines Kriterienkataloges abschätzen. So oder so muss man wissen, dass die Finanzämter ganz legal die Liefermenge bzw. Umsatzvolumina personenbezogen in Erfahrung bringen können.

2. Internationalisierung & umsatzsteuerliches Risikomanagement des Online-Händlers  

Beim etablierten Online-Händler ist die Unternehmereigenschaft bzw. die Umsatzsteuerpflicht natürlich keine Frage mehr. Ihm ist es angesichts geringer Margen wichtig, dass er den Umsatzsteuersatz und die administrativen Kosten des Besteuerungsverfahrens verlässlich einkalkulieren kann bzw. keine bösen Überraschungen erlebt. Beim Handel mit Privatkunden (b2c-Handel) aus dem EU-Ausland kann sowohl eine Umsatzbesteuerung in Deutschland, als auch eine solche im jeweiligen EU-Ausland relevant werden. Dies hängt u.a. von folgenden Faktoren ab:

  • Transport durch den Online-Händler oder Abholung durch den Kunden (z.B. Packstationen hinter der Grenze)

  • Liefermenge des Online-Händlers in das jeweilige EU Ausland ("Lieferschwelle")

Während das erste Kriterium noch relativ leicht zu handhaben ist, bereitet das zweite Kriterium oft praktische Schwierigkeiten. Ab einer bestimmten Liefermenge ins jeweilige EU-Ausland wechselt die Umsatzbesteuerung sofort dorthin. Das erfordert ein Zusammenspiel der Bereiche "Buchhaltung" und "Software/Programmierung", die Überwachung der Lieferschwelle betreffend. 

Kommt es zur Umsatzbesteuerung im EU-Ausland, ist pro EU-Ausland eine dortige Registrierung (und dann die Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer) erforderlich. Hierbei gibt es innerhalb der EU keine einheitliche Verfahrensweise. Der Online-Händler muss daher die spezifischen Regeln und Prozesse des jeweiligen EU-Auslandes in Erfahrung bringen und beachten.

Im Einzelfall kann können Sie die Liefermenge in das jeweilige EU-Ausland auch steuern bzw. beeinflussen.

3. Weitere praktische Fragen des Online-Handels

3.1 Warenlager & Logistik-Center

Z.B. Amazon bietet Online-Händlern die Unterhaltung von Warenlagern im EU-Ausland (z.B. Polen) an. Auch insoweit sind umsatzsteuerlich Besonderheiten zu beachten.

3.2. Bezahlsysteme

Beim Handling von Bezahlsystemen (z.B. Paypal) kann Ihnen eine automatisierte technische Lösung für die Zuordnung von Zahlungsvorängen zum entsprechenden Kunden bzw. Rechnung helfen. 

3.3. Informationspflichten zu Online-Kaufverträgen

Als Online-Händler in der EU müssen Sie wegen Ihrer Online-Kaufverträge oder Online-Dienstleistungsverträge seit dem 9.1.2016 in ihrem Web-Shop auf die Möglichkeit der "Online-Schlichtung" hinweisen. Dies geschieht per Platzierung der Link http://ec.europa.eu/consumers/odr in Ihrem Web-Shop. Die Link muss leicht auffindbar und zugänglich sein. Eine Veröffentlichung der Link im Rahmen der AGB`s reicht dabei nicht aus, sofern die AGB`s erst auf der Bestellseite eingestellt sind.  

Hinweise:

  • Beim umsatzsteuerlichen "Risiko-Management" sind wir Ihnen ebenso wie bei der umsatzsteuerlichen Registrierung im jeweiligen EU-Land gerne behilflich.
  • Die Zusammenarbeit mit dem Bereich Software/Programmierung können wir Ihnen auf Wunsch mit anbieten. Über Schnittstellen können z.B. folgende Systeme angebunden werden: JTL WaWi, Plentymarket, Afterbuy, Paypal, Amazon, OXID, MAGENTO, XT Commerce etc.
  • Bitte achten Sie auf die Einstellung der Link zur "Online-Schlichtung". Eine Ausnahme gilt z.B. bei Unternehmern bis 10 Beschäftigten oder solchen, die gar nicht an Verbraucher liefern.