Rechtsprechung: höhere Abzüge bei Krankheitskosten und bei der Unterstützung von Angehörigen

Der Bundesfinanzhof (BFH) befasste sich aktuell mit außergewöhnlichen Belastungen: einmal mit Krankheitskosten, das andere Mal mit der Unterstützung von Angehörigen.

Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Die Aufwendungen (Ausgaben) müssen Ihnen zwangsläufig entstehen. Und sie müssen höher sein als bei "der überwiegenden Mehrzahl" vergleichbarer Steuerpflichtiger. Eine Begünstigung erfordert in der Einkommensteuer-Erklärung einen oder mehrere Anträge. Das Gesetz unterscheidet zwischen "normalen" und "besonderen" außergewöhnlichen Belastungen.

Krankheitskosten als "normale" außergewöhnliche Belastung

Krankheitskosten können Sie grundsätzlich als außergewöhnliche Belastung abziehen. Dazu zählen z.B. Zuzahlungen für Behandlungen oder für Arzneimittel. Aber nicht alles ist begünstigt, so z.B. nicht das Fitness-Studio oder Heilmittel ohne ärztliches Rezept. In manchen Fällen benötigen Sie sogar vor Beginn der Maßnahme ein amtsärztliches Attest. 

Beachten müssen Sie die sogenannte "zumutbare Belastung". Bis zu dieser Grenze haben Sie Ihre "normalen" außergewöhnlichen Belastungen selbst zu tragen. Nur den überschießenden Anteil können Sie steuerlich geltend machen. Das hängt zunächst von Ihrem Familienstand oder von der Zahl Ihrer zu berücksichtigenden Kinder ab, außerdem von Ihren Einkünften. Die zumutbare Belastung steigt schrittweise an: Insgesamt reicht die Spannbreite von 1% bis 7% des Gesamtbetrags der Einkünfte.

Beispiel: Wenn Sie ein oder zwei Kinder haben, sind das dann 2%, 3% oder 4% dieser Größe.

Der BFH bestätigte erneut, dass die zumutbare Belastung verfassungsgemäß ist. Allerdings änderte er die genaue Berechnung zugunsten der Steuerpflichtigen. Wenn Sie also mittlere oder höhere Einkünfte erzielen, können Sie zu den Gewinnern zählen. Zusätzliche Voraussetzung: Sie müssen tatsächlich entsprechend hohe Aufwendungen getragen haben. 

Unterstützung bedürftiger Angehöriger als "besondere" außergewöhnliche Belastung

Begünstigt kann auch die Unterstützung bedürftiger Angehöriger sein. Voraussetzungen: Sie müssen gesetzlich oder sittlich zum Unterhalt verpflichtet sein; und niemand darf für diese Personen einen Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag haben. Außerdem müssen Sie die Bedürftigkeit nachweisen. Eine zumutbare Belastung brauchen Sie hier nicht zu berücksichtigen. Stattdessen gilt die sogenannte Opfergrenze. Diese soll vermeiden, dass Sie durch Ihre Zahlungen selbst hilfsbedürftig werden. Nur wenn mindestens ein Betrag in Höhe der Opfergrenze für den Lebensunterhalt Ihrer eigenen Familie verbleibt, dürfen Sie Ihre Zahlungen im Rahmen der gesetzlichen Höchstbeträge (voll) absetzen. Hier hat der BFH ebenfalls eine günstigere Berechnung vorgenommen. Sie können davon dann profitieren, wenn Ihnen kindbezogene Leistungen wie Kinderfreibetrag oder Kindergeld nur für einen Teil des Kalenderjahres zugestanden haben.

Hinweis: 

Sind Sie von den Neuerungen betroffen? Oder wollen Sie wissen, ob Sie davon profitieren können? Dann kommen Sie zu uns. Lassen Sie gegebenenfalls Ihre Einkommensteuerbescheide nicht bestandskräftig werden. Bringen Sie diese und noch nicht vorgelegte Nachweise mit. Wir beraten Sie gern und leiten erforderlichenfalls die nötigen Schritte gegenüber dem Finanzamt ein. Eventuell können wir Ihnen auch bei belastenden Änderungsbescheiden noch helfen.